Die verschwiegenen Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

Und mit welchen bösartigen Tricks Berater diese Nachteile herunterspielen!

Autor: Dirk Feldhinkel

Stand: 17.09.2020

Durchgedrehter Mann drückt sich verzweifelt das Gesicht zusammen.
Blicken Sie bei der betrieblichen Altersvorsorge wirklich durch?

Ihre Entgeltumwandlung als sogenannte Förder-Rente kann Ihnen teuer zu stehen kommen:

 

  • Sie sind ein treuer Mitarbeiter einer Firma und bekommen eine unglaublich stark geförderte Rente aus dem Betrieb heiß empfohlen?
  • Sie bekommen riesige Zuschüsse vorgerechnet für eine „Umsonst-Rente“ und sollen deshalb noch selbst ordentlich aus Ihrem Verdienst dazulegen?
  • Sie werden von Gewerkschaftern und Arbeitnehmervertreter unzurechnungsfähig erklärt, wenn sie nicht schleunigst eine Entgeltumwandlung abschließen?

-Vorsicht!-

 

Vor einer solchen Entscheidung sollten Sie dringend diese meisten verschwiegenen Nachteile kennen. Milliardenschwere Interessen der Finanzindustrie sorgen für ungehemmte Manipulationen, um an Ihr Geld zu kommen. Ahnungslose Gewerkschafter und Betriebsräte lassen sich dafür bereitwillig missbrauchen. Gleiches gilt für Politiker/innen, die den gesetzlichen Freiraum für diese Manipulationen bereitstellen. Sie bekommen einseitig Vorteile geboten und wesentliche Nachteile werden verschwiegen oder heruntergespielt. Dadurch fehlt es an Übersicht, ob eine Entgeltumwandlung überhaupt sinnvoll sein kann. Doch bereits die umfangreiche Aufzählung der Nachteile lässt Schlimmes erahnen. Wie am Ende das wahre Ergebnis aussieht, lässt sich tatsächlich mit den richtigen Methoden ermitteln. Dieses Ergebnis ist immer wieder erschreckend. Doch schauen wir zuerst einmal die Ursachen an.

Wann gibt es welche Nachteile?

Für eine grundlegende Bewertung müssen zwei Varianten unterschieden werden. Zu einen gibt es die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge und zum anderen gibt es die arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersvorsorge. Um Arbeitnehmer zu motivieren, gibt es die Mischform der beidseitigen Finanzierung. Hierdurch entstehen unbemerkt unmittelbare aber auch mittelbare Nachteile. Die Liste bei der angeblich besten Altersvorsorge ist sehr lange.

 

Nachteile bei der reinen arbeitnehmerfinanzierten betrieblichen Altersversorgung -  
die Entgeltumwandlung:
  

  • Volle nachträgliche Besteuerung (§ 3 Nr. 63 EStG => § 22 Nr. 5 EStG)
  • Bei Versorgungsbezug volle (doppelte) Abgaben für Pflegeversicherung
  • Ab Versorgungsbezug über Freibetrag volle (doppelte) Abgaben für gesetzliche Krankenversicherung
  • Anteiliger Verlust gesetzlicher Rentenansprüche, nebst anteiliger Abgabenbefreiung
  • Anteiliger Verlust des Basisvorsorgefreibetrags (für anteiligen Rentenbeitrag)
  • Verlust der anteiligen Entgeltersatzleistungen durch:
    Lohnfortzahlungen
    Kurzarbeitergeld
    Arbeitslosenversicherung
  • Hohes Risiko der gesetzlichen Änderungen für Versorgungsbezüge während der Laufzeit
  • Vertragsänderungen eingeschränkt nur über den Arbeitgeber möglich
  • Kündigung ist nicht möglich
  • Vertrag gehört dem Arbeitgeber (Betrieb)
  • Rente oder Kapital wird erst mit der gesetzlichen Rente ausgezahlt
  • Keine zwischenzeitliche Kapitalentnahmen möglich
  • Die Leistungskombinationen sind selten individuell angepasst
  • Für Arbeitnehmer sind Gesetzgebungen kaum bewusst oder verständlich
  • Garantien werden immer schwächer und unsicherer
  • Hohe Kosten stehen gegen schwache Erträge
  • Ständige Leistungskürzungen in den letzten Jahren
  • Zahlreiche Versorgungseinrichtungen bereits in Not
  • Kostenangaben sind häufig unvollständig, unverständlich oder irreführend
  • Vermeintliche Erträge und deren Darstellungen sind oft undurchsichtig und irreführend
  • Zu niedrige Renten durch unbegründet hohe statistische Lebenszeiten
  • Der Gesetzgeber erlaubt schlechtere Verbraucheraufklärung
  • Der Gesetzgeber beseitigt inzwischen  Haftungen für Entgeltumwandlungen (Sozialpartnermodell des BRSG)
  • Gewerkschafter und Betriebsräte treffen immer mehr Entscheidungen über die Entgeltumwandlung
  • Zu hohe Leistungsversprechen gefährden die Versorgungssicherheit
  • Hohe Regulierungsanforderungen oder Versicherungsgesetze sind keine hinreichende Sicherheit
  • Die „Nullzinspolitik“ hinterlässt keine Perspektiven für eine sichere Rendite
  •  Ungeregelte Anlagekonzepte haben hohe Risiken
  • Eine Umlagesystematik in Versorgungseinrichtungen wie bei der gesetzlichen Rente machen keinen Sinn  

Nachteile bei der reinen arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersversorgung: 

  • Keine unmittelbaren für den Arbeitnehmer
  • Mittelbar werden diese Positionen als Personalkosten in Lohn- und Gehaltsverhandlungen eingepreist.
  • Mittelbar werden andere tarifliche Leistungen genommen, um diese ausschließlich in die vorbestimmte AVWL umzuleiten 

Nachteile bei der Mischform der arbeitnehmerfinanzierten und arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersversorgung:

 

In der Mischform treffen die unmittelbaren und mittelbaren Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge zusammen. Das Ziel der Mischform ist es jedoch, durch eine psychologische Manipulation das Ansparvolumen dramatisch zu erhöhen. Davon profitiert in erster Linie die Versicherungsgesellschaft, die das Ansparvermögen aufnimmt und verwaltet. Berechnungen haben ergeben, dass der vermeintliche Vorteil dieses Konzeptes beim Arbeitnehmer nicht ankommt. Der Arbeitnehmer hat stattdessen die unterdrückten oder falsch dargestellten Nachteile zu tragen.

Warum werden die Nachteile verschwiegen?

Hinter den Versorgungseinrichtungen stehen in der Regel Versicherungsunternehmen und Vermittler, die an Provisionen und Verwaltungskosten des Kapitals interessiert sind. Je mehr Kapital eingesammelt wird, desto mehr verdienen diese Finanzkonzerne. Deshalb kann man aufgrund einer schlechten Informationsregulierung unseres Staates bei der Entgeltumwandlung nicht erwarten, dass hier wirklich fair vorgegangen wird. Es ist etwa so, als sollte ein verzogener Dackel auf Ihren Samstagseinkauf beim Metzger aufpassen. 

Was passiert, wenn Sie die Nachteile ignorieren?

In den meisten Fällen viele Jahre erst einmal nichts. Sie glauben, dass alles gut läuft. Wenn keine kritische Information von außen ankommt oder kritische Situationen, wie Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit eintreten, wird die Entgeltumwandlung bis zur Rente durch gespart. Erst danach kommt das böse Erwachen und ein chaotischer Berg von Fragen taucht bei den Arbeitnehmern auf. Die Ursachen sind unerwartete Leistungskürzungen, Abzüge für Pflegeversicherungen und gesetzliche Krankenversicherungen und eine Steuerbelastung, die völlig anders eingeschätzt wurde. Am Ende steht ein unerwartetes Minus auf der Rechnung. 

Ein klassisches Dilemma: Kapital oder Rente?

Sehr viele Entgeltumwandlungsverträge ermöglichen eine vollständige Kapitalzahlung, eine Rente oder die Kombination von beidem.   Dadurch merken die Meisten zum ersten Mal, wie ehrlich der Staat es mit seinen Förderungen meint. Bei der Kapitalzahlung wird der gesamte Betrag zum Zeitpunkt der Auszahlung mit voller Progression besteuert. Die bekannte Fünftel-Regelung ist nicht anwendbar, das haben Gerichtsurtele längst festgelegt.

 

Also doch besser die Rente nehmen? Das ist leider genauso eine Verlustfalle, denn daran haben offensichtlich die Versicherungsunternehmen strategisch das höchste Interesse. Die Garantierenten sind so ausgelegt, dass diese für eine statistisch kaum zu begründende lange Lebenszeit ausreichen müsste. Dadurch ist Ihre Rente entsprechend klein. Auch die propagierte Rechenmethode, das Deckungskapital durch die Rentenzahlung zu teilen, ist zumindest für Altverträge Augenwischerei. Altverträge haben noch einen hohen Höchstrechnungszins, der auch als Garantiezins bezeichnet wird.

Dadurch kommt zu Ihrem Kapital ein zusätzlicher Ertrag, der die Rente erhöhen könnte.

 

Das ist aber vertraglich nicht vorgesehen. Stattdessen dehnt sich die statistische Lebenszeit noch einmal aus. Wenn der statistische Durchschnitt bzw. Ihre eigene Lebenszeit deutlich kürzer ist, dann verbleibt viel Geld auf den Konten der Versorgungseinrichtung. Das Geld kann leicht in sogenannte stille Reserven verschwinden. Mindestens 50 Prozent davon verbleibt nach gesetzlicher Regelung für Versicherungen auch dort. Ein sauberer Vergleich, welche Variante wirklich sinnvoll ist, kann ohne finanzmathematische Kalkulation nicht durchgeführt werden. Sie sollen sich jedoch nicht nach den Vorstellungen der Lobby sachgerecht informieren, sondern impulsiv zur Rente greifen und schon geht die Gewinnstrategie der Versicherungskonzerne auf.

 

„Sie sollen wie ein ahnungsloses Kalb zu Ihrem Schlachter trotten!“

Die bösen Tricks der Berater

Warum sehen die Berechnungsbeispiele auch für die Rente so toll aus? Hierbei ist eine unzulässige Täuschung bei Angeboten der Metallrenten besonders ins Auge gefallen. Die Betriebsrenten werden mit privaten Rentenversicherungen verglichen. Dieser Vergleich ist bereits unzulässig, weil verlorene Leistungen durch die Entgeltumwandlung nicht eingepreist wurden. Dazu gehören zum Beispiel die anteilig verlorenen Rentenansprüche. In der Regel wird jeweils eine nicht ausgewiesen hohe Rendite verrechnet, die rechnerisch den Abstand zur privaten Variante vergrößern soll. Aufgrund der „Nullzinspolitik“ sind die Erträge jedoch so schwach, dass zum Beispiel die Metallrente bereits völlig irreführend mit nichtssagenden Prozentsätzen um sich wirft.

 

Dadurch entsteht der Eindruck, dass sich nachträgliche Belastungen geringer auswirken. Hier kommt ein grober Trick ins Spiel: die Steuerbelastung wird mit einem durchschnittlichen wie insgesamt zu niedrigem Steuersatz gerechnet. Die korrekte Berechnung muss wie bei der Entgeltumwandlungsberechnung vom sogenannten Grenzsteuersatz ausgehen. Der Grenzsteuersatz weist die steuerliche Veränderung aus, die durch die Betriebsrente selbst ausgelöst wird. Diese Veränderung muss der Brutto-Betriebsrente zugeordnet und dort abgezogen werden. Dieser Grenzsteuersatz kann bereits bei niedrigen Einkommen sehr hoch liegen. Eine solche Täuschung mit durchschnittlichen Steuersätzen ist im Inhalt unzulässig, denn diese Berechnung ist nicht „überschlägig“, sondern falsch. 

Zusammenfassung

Die Nachteile der Betriebsrente in Form der Entgeltumwandlung sind für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu abstrakt und können deshalb leicht von sogenannten Beratern abgewiegelt oder verschwiegen werden. Hinzu kommt, dass trotz aller  Maßgaben in der Sache der Haftung in der Praxis die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer alleine dastehen. Die wenigsten trauen sich bei Problemen gegen den Arbeitgeber oder große Konzerne vorzugehen, Zudem scheinen Arbeitsgerichte immer wieder klar zu machen, dass der Arbeitgeber kein Anlageberater sei. Doch, der Gesetzgeber hat Ihn unfreiwillig dazu gemacht. Aber am Ende bleibt nur der Vorwurf an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sie sollen fachlich  selber für Klarheit über Ihren Betriebsrentenwunsch sorgen. Wie soll das jedoch gehen, ohne neutrale finanzmathematische Expertise? Die Versicherungsberater/innen reden nur von Förderungen – die Politiker/innen ebenfalls!


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Die Beschwerden nehmen trotz starker Förderungen aus der Staatskasse zu. Die Finanzkonzerne, zum Beispiel hinter der Metallrente, betreiben indessen unbeeindruckt ihre Kampagnen fort. Der Vertrieb der Direktversicherungen nimmt ungebremst zu. Rentner mit verlustreichen Direktversicherungen sind inzwischen in verzweifelter Wut, darunter auch welche mit Metallrente. Kann das der zukünftige Freibetrag noch retten?


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Doch entscheidend ist das, was hinten raus kommt: Eine erodierte renditeschwache Rente, die mit nachträglichen Steuern und Abgaben noch kürzer gemacht wird.

 

Was vielen nicht bewusst ist: Die Sozialbeiträge Ihres Einkommens werden vom Arbeitgeber noch einmal bezahlt. Sie zahlen im Grunde im Arbeitsleben nur die Hälfte der Beiträge. Wenn Sie jedoch in Rente sind und Ihre Betriebsrente beziehen, dann ist der zahlende Arbeitgeber weg. Sie müssen dann neben der vollen Einkommensbesteuerung ab einem Freibetrag den vollen Satz der Beiträge für gesetzliche Krankenversicherungen und Pflegeversicherungen, dass heißt einen doppelt so hohen Anteil zahlen - deshalb wird dieser nachgelagerte Beitrag auch Doppelbeitrag genannt. 

 

Mehr dazu können Sie hier lesen: -> FAQs!