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Die Werbungsfallen der Entgeltumwandlung

Autor: Dirk Feldhinkel

Eine Frau schlägt sich mit einer riesigen Hand auf den Kopf!
Endlich begriffen! (Foto: Gratisograhy)

Wir folgen bei Entgeltumwandlungen durch gewohnte Denkfehler direkt in die krassen Werbungsfallen der Finanzvertriebe!

Woher ich das weiß? 

 

Ganz einfach, ich kenne die Tricks der Finanzvertriebe, die monokausale Aspekte in Verkaufsargumente umwandeln und dabei immer wieder unglaublich wirksam in die Irre führen.

 

Finanzvertriebe und deren Schulungen habe ich im Inneren erlebt. Ich dachte auch, wenn ich ein paar Paragrafen kenne und eine Entgeltumwandlung auf dem Lohnstreifen vorrechnen kann, dann hätte ich Ahnung. Heute ist mir das fast etwas peinlich!

 

Erst als ich frei von diesen Einflüssen war, konnte ich mich mit den Inhalten tiefer beschäftigen und kam zu völlig anderen Ergebnissen. Die methodischen Fachkenntnisse haben mir dabei ordentlich auf die Sprünge geholfen. Solche Fachkenntnisse sind in Finanzvertrieben allenfalls auf Visitenkarten gern gesehen. Manchmal werden sie auch irreführend eingesetzt, wie sie zum Beispiel bei Angaben zu "effektiven Renditen" in Sparprodukten, so wie auch bei der Metallrente.

Werbungsfalle #1: irreführende Vergleiche

"Wer rechnen kann, der macht das!" 

 

Mit solchen fragwürdigen Aussagen machen Gewerkschafter gemeinsam mit den Versicherungsverkäufern der Allianz in einer mittelständischen Firma Reklame für die Metallrente. 

 

Der Grund für eine solche recht "mutige" Aussage ist lediglich eine auf dem Lohnstreifen vorgerechnete Entgeltumwandlung zur Einzahlung für eine Betriebsrente. Diese sieht oft so aus als würden bis zu 65 Prozent aus anderen Quellen nur für das eigene Wohl zufließen.

Das ist ein grober Irrtum!

 

Entscheidende Aspekte fehlen hier völlig. Dazu gehören sachlich korrekte Berechnungen der nachgelagerten Steuern und Abgaben auf die daraus folgenden Versorgungsbezüge.

Diese können vernichtend verlustreich zuschlagen. Das haben zum Beispiel die Proteste gegen Pflegeversicherungs- und Krankenkassenbeiträge bei Direktversicherungen offenbart.

 

An solche Gewerkschaftler und Betriebsräte gerichtet:

Gutes Rechnen ist leider noch kein hinreichender Beweis für eine insgesamt hohe kognitive Fähigkeit. Dafür braucht es eine grundlegende Offenheit, sich mit dieser Sache ernsthaft zu beschäftigen und nicht nur etwas nachzusprechen, ohne es wirklich zu verstehen.

 

Warnung!

 

  • Oftmals werden die Betriebsrenten mit dem Netto-Einzahlungsbetrag verglichen. Das ist bereits schwer irreführend, weil die Rentenbezugszeit im Normalfall nur ein Bruchteil der Ansparzeit darstellt. Diesen zeitdynamischen Aspekt können wir kaum erfassen, wenn wir diese Zahlen nebeneinander lesen. Eine vortreffliche Manipulation!
  • Nachgelagerte Einkommensteuern und Abgaben nebst Änderungsrisiken werden nicht mehr vergleichend gerechnet, sondern nur im "Kleingedruckten" versteckt. Diese werden wiederum irreführend heruntergespielt. Leider lassen sich sogar Verbrauchermagazine damit täuschen und rechen falsch mit geringen Durchschnittssätzen für die Einkommensteuer oder übersehen Sozialabgaben zum vollen Satz. Die Berechnungen ergeben dann oft eine völlig falsche Entscheidungsgrundlage. Die korrekten Berechnungen sind meistens erschreckend.
  • Die eingeschränkten Eingriffsmöglichkeiten bei der Ansparung werden sehr schnell zu Falle und das Geld muss mit Schwindsucht verbindlich in der Versicherungsgesellschaft oder in der Pensionskasse bleiben. Darüber wird fast gar nicht geredet. Diese Fragen tauchen oft erst auf, wenn es zu spät ist.

Werbungsfalle #2: der Halo-Effekt

Du wirst dich fragen, "Was ist ein Halo-Effekt?" und was hat der mit der Entgeltumwandlung zu tun?

Der "Halo-Effekt" bedeutet einen manipulativen Einfluss in der Wahrnehmung durch einen sogenannten "Heiligenschein" um eine Sache oder eine Person. Zu einem "Heiligenschein" in Bezug auf die Entgeltumwandlung kommt es, weil die Einkommenssteuer- und Sozialabgabenerlasse auf die Beiträge (§ 3 Nr. 63 EStG) + gesetzlich bestimmte Zuschüsse der Arbeitgeber glauben lassen:

 

"Wenn alle soviel Förderungen dazu geben, dann muss das unbedingt gut sein!"

 

-Ist es das?

 

„Die betriebliche Altersvorsorge ist das Beste was es gibt!“, prahlen die Organisationen hinter den Anbietern der Entgeltumwandlung. Nun - für die Finanz- und Versicherungskonzerne mag das stimmen. Es ist ein leichtes Geschäft. Doch wer zahlt am Ende diese Gewinne?

  

Warnung!

 

Staatliche Vergünstigungen und Gewerkschaftsnamen 

garantieren niemals einen Erfolg! 

Die tatsächliche Erfahrung ist oft gegenteilig!

 

Zahlreiche Schrottimmobilieneigentümer können ein Lied davon singen! Du solltest dich auf keinen Fall auf Qualität verlassen, nur weil ein Produkt zur Entgeltumwandlung vermeintlich stark gefördert sei oder es von einer Gewerkschaft angeboten wird.

 

Dahinter stehen in der Regel große Finanzkonzerne mit einem klaren Interesse am Gewinn. Innerhalb der Gewerkschaften, besonders in den Betrieben fehlt es offensichtlich an hinreichend qualifiziertem Wissen, um eine wirklich gute Gestaltung für die Arbeitnehmer zu sichern. Die Metallrente ist ein trauriges Beispiel dafür. Das naive Vertrauen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Gewerkschaften verleitet die Vertreter der Metallrente zu respektlos irreführenden Werbeaussagen.

 

Die Gewerkschaft IG-Metall schaut dabei ahnungslos zu und macht trotz offener Kritik seit Jahren mit. Interne Kritiker werden entweder mit Pseudoargumenten "eingeseift" oder sprichwörtlich niedergemacht. Das belegen Dokumente und Erfahrungen. Es ist alles andere als vertrauenserweckend.

 

Wer langjährige Erfahrung in der Finanzbranche hat, der weiß zum Beispiel, zu welchen fatalen fast unkontrollierbaren Marktausschlägen sogenannte "Sonderabschreibungen für Immobilien in den neuen Bundesländern" gesorgt hatten. Man hatte genauso gedacht: "Wenn der Staat soviel Geld reinpumpt, dann kann das wohl kaum schief gehen!"   

 

Viele dieser naiven Menschen erkannten zum ersten mal, wie leicht man übelste Anlageprodukte hinter "staatlichen Geschenken" verbergen kann. In den 1990er und 2000er Jahren waren die Gerichte mit fast hoffnungslosen Klagen gegen den Verkauf "staatlich geförderter" Schrottimmobilien überhäuft. Staatliche Subventionen sind niemals ein Garant für ein makelloses Produkt mit absoluter Sicherheit.

 

Schützt hier nicht die Gewerkschaft?

 

Leider nein - in persönlichen Gesprächen mit führenden Betriebsräten und in Personalabteilungen stieß ich auf die üblichen irrgeleiteten Annahmen, aber kaum auf echtes Fachwissen darüber.

Nach den sehr schlimmen Erfahrungen mit der "Neuen Heimat", " mit "COOP-Märkten", mit "BFG-Bank" oder der "Volksführsorge" versucht sich erneut die große Gewerkschaft IG-Metall in einer Sache, die sicher nicht zu den Aufgaben einer Gewerkschaft gehört. Sie ist von den großen Finanzkonzernen  hinter der Metallrente völlig abhängig. Besonders schwierig ist die Interessenvermischung, dadurch dass die Gewerkschafter im Grunde zu (Mit-) Vermittlern der Versicherungskonzerne geworden sind. Sie haben jedoch eine Treuepflicht gegenüber den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen als "eigene Partei". Hinzu kommen die starken Interessen der Arbeitgeber an den Entgeltumwandlungen, um Abgaben  zu sparen. Es ist geradezu naiv, zu glauben, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen hier immer im Vordergrund stehen. 

Werbungsfalle #3: die Gier auf Fördergeld

Neben dem rationalen Einfluss irreführender Vergleiche oder Berechnungen gibt es in uns ein kleines Teufelchen: die Emotion. Gut - Emotionen können natürlich auch Engelchen sein, aber hier sind sie  kleine Teufelchen, denn hier geht es um die Gier. Wenn du glaubts, dass du gerade eine "Förderrendite" von 65 Prozent haben könntest, dann merkts du auch, wie zappelig du bei dem Gedanken werden kannst.  Es beschleicht dich eine große Angst etwas zu verpassen, sich zu ärgern und am Ende vor anderen dumm auszusehen. Tja - so schnappt die Falle zu!

 

Warnung!

 

Die Entgeltumwandlung im Sinne des § 3 Nr. 63 EStG wird nicht wirklich wie ein verlorener Zuschuss durch den Steuer- und Abgabenerlass auf die Beiträge gefördert. Das ergibt sich bereits daraus, dass dadurch zukünftige gesetzliche Rentenansprüche gemindert werden.

 

Was passiert hier wirklich?

 

Es ist einfach ein geändertes Verfahren für die Erhebung der Steuern- und Sozialabgaben. Hierbei hat die damalige Regierung, welche diese Entgeltumwandlung (§ 3 Nr. 63 EStG) im Jahr 2002 einführte, grundlegend auf ein nachgelagertes Steuer- und Abgabenverfahren umgestellt. Das entsprechende Gesetz für die nachgelagerten Sozialabgaben kam unauffällig nur zwei Jahre später. Die Befreiungen von Steuern und Abgaben werden bei Auszahlung der Betriebsrente zur Zahlpflicht.

 

Welcher Sinn steht dahinter?

 

Im Grunde hatte die Regierung bzw. die politisch beteiligten den Glauben, dass die kapitalgedeckte Betriebsrente immer mit einer guten Rendite versehen sei. Du ahnst schon, wer denen das so erklärt hat? - Richtig - die

Versicherungslobby!

 

In diesem Fall würde tatsächlich ein Gewinnhebel entstehen und alle würden durch die Finanzmärkte reich beschenkt werden. Es gab nur wenige Jahre später ein klitzekleines Problem: die Finanzkrise im Jahr 2008.  Dummerweise mussten Versicherungskonzerne wie AIG vor einer Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Es gab eine Kettenreaktion, die in Amerika auch Pensionsfonds komplett vernichtete.  Diese Kettenreaktion schwappte in den europäischen Finanzmarkt hinein. Am Ende folgte daraus die sogenannte Nullzinspolitik der EZB im Euroraum. Seither konnten Versicherungen mangels Zinsen auf dem Finanzmarkt kaum Gewinne machen - also auch keinen Gewinnhebel erzeugen.  Dafür blieben Kosten hängen, was natürlich zum elementaren Problem für die laufenden Verträge wurde.

 

Wie wirkt sich das Ganze jetzt aus?

 

Warnung!

 

Bei deutlichen Verlusten im Deckungskapital vernichtet das nachgelagerte Steuer- und Abgabenverfahren die zuvor eingenommenen Vorteile der Steuer- und Abgabenbefreiung!

 

In der Politik ist man von reichhaltigen Gewinnen ausgegangen, wodurch vermeintlich alle profitieren sollten. Ausdiesem Grunde waren die Abgaben so ausgelegt, dass sie in vor- und nachgelagert etwa das gleiche Niveau hatten. Bei der nachgelagerten Abgabenbelastung entfielen die bisherigen staatlichen Versicherungen für die Rente und Arbeitslosigkeit. Dafür hatte man den vollen Beitrag für die gesetzliche Krankenkasse und Pflegeversicherung belassen. Diesen vollen Beitrag bezeichnet man wiederum oft als Doppelbeitrag, weil er anteilig doppelt so hoch ist, wie der entsprechende Arbeitnehmeranteil in der Erwerbsphase.

 

Bei genauer Betrachtung lag das vorgelagerte und nachgelagerte Niveau der Sozialabgaben gering unterschiedlich bei etwa 20 Prozent. Bei der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den halben Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung, so wie der ehemalige Arbeitgeber. Bei der Entgeltumwandlung hatte man jedoch darauf verzichtet. Wie eine vorteilhafte Förderung sieht das so nicht mehr aus.

 

Die Versicherungsbranche verkaufte es jedoch völlig ungehindert als solche, indem sie die nachgelagerten Belastungen verschwiegen oder nebensächlich herunterspielten. Bis heute werden trickreiche Irreführungen eingesetzt, die nachgelagerte Belastung als gering darzustellen. Sogar in Fachmagazinen werden in diesem Punkt bis heute Fehler gemacht.

 

Bei den alten Verträgen mit Pauschalbesteuerung gem. § 40b EStG handelt es sich im Grunde um eine Auslaufphase des alten Systems. Wenn die Einzahlungen nicht nur aus jährlich einmaligen Sonderzahlungen stammten, waren die üblichen Sozialabgaben fällig. Das führte wiederum dazu, dass hier sowohl vorgelagert als auch nachgelagert Abgaben fällig wurden.  Der sogenannte Doppelbeitrag bekam hierbei in zynischer Weise noch einmal eine "doppelte" Bedeutung. Diese besondere Belastung wurde politisch offensichtlich in mit dem erheblichen Privileg der völligen Steuerfreiheit dieser alten Verträge abgewogen.

 

Davon will die heutige Politik nichts mehr wissen. Bei den daraus entstandenen Protesten gaben sich Politiker, Politikerinnen, Sozialwissenschaftler und Sozialwissenschaftlerinnen empört, als sei bei diesem systemisch ausgedachten Konzept nur ein Fehler unterlaufen. Sie verstanden nicht, dass es sich und die nachgelagerte Steuer- und Abgabenerhebung handelte.

 

Es war eine breite öffentliche Anbiederung, ohne die Sache wirklich zu verstehen. Aus diesem Druck heraus wurde wiederum ein Freibetrag (seit 2020 inzwischen ca. 160 Euro) für die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse erlassen, der jedoch nicht gegenfinanziert ist. Hierdurch wird das Sozialsystem wiederum belastet. Für eine „echte Förderung“ kommt das Geld aus der falschen Quelle und schadet am Ende den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen selbst.

 

Anders als bei den Sozialabgaben wird die Einkommenssteuer paritätisch erhoben. Das bedeutet, was zuvor nicht versteuert wurde, wird danach voll  besteuert. Deshalb werden die Entgeltumwandlungen, die gem. § 3 Nr. 63 EStG bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung entlastet wurden,  als Versorgungsbezug in der Rentenzeit gem. § 22 Nr.5 voll besteuert.  

Warnung!

 

Nachgelagerte Netto-Berechnungen mit geringen Durchschnittssteuersätzen 

verzerren dramatisch das Ergebnis!

 

 

Hier werden die Angebotsrechnungen regelmäßig manipuliert.  Man behauptet, die allgemeine Steuerbelastung sei niedriger als im Erwerbsleben. Diese Aussage ist pauschal so unzulässig.  Trotzdem nimmt man einen niedrigen Durchschnittssteuersatz für Vergleichsrechnungen. Dieses Verfahren hat einen weiteren Fehler. Hier müsste man die tatsächliche progressive Auswirkung der Betriebsrente auf die Einkommensteuer berechnen.  Es kommen danach sehr oft unsinnig schlechte Ergebnisse heraus.

Warnung!

 

Die Einkommensteuerbelastung ist in der Regel 

kurz vor dem Rentenbeginn am höchsten!

 

Hinzu kommen Vorsorgemaßnahmen, geerbte oder angeschaffte Passiveinkommen wie  zum Beispiel Mieteinnahmen. Kurz vor dem Ende der Erwerbsphase sind das Einkommens- und damit auch das Steuerniveau am höchsten. Hinzu kommt, dass die Übergangsphase der steigenden Besteuerung im Jahr 2040 abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass danach die Rente nach dem einem allgemein gültigen Freibetrag entsprechend voll besteuert wird. Hierbei ist anzumerken, dass auch die dagegen stehenden Beiträge zur gesetzlichen Rentenvorsorge wiederum einem zunehmenden Freibetrag unterliegen. 

 

Auch wenn das allgemeine Rentenniveau von der Regierung bereits abgesenkt wurde und damit auch das Steuerniveau damit sinken würde, sollten doch gerade diese Zusatzversorgungen das Niveau inklusive der Besteuerung wieder auffüllen. Es sei denn, der Gesetzgeber und die Finanzkonzerne glauben selbst nicht an das Konzept. 

 

Dirk Feldhinkel

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