Metallrente: Gewerkschafter als bAV-Experten?

Autor: Dirk Feldhinkel

Stand: 24.01.2020

Die Entgeltumwandlung ist ein Thema, das reichhaltigen Stoff für Dissertationen abgeben kann. Das hindert jedoch Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter nicht daran, mit kruden Sprüchen die Entgeltumwandlung unzulässig auf die Einsparung von Sozialabgaben zu reduzierten. 

Auf einigen Betriebsversammlungen präsentiert man diese Versprechen immer wieder mit den Worten: 

"Wer rechnen kann, der schließt das ab!"

 

Die kritischen Arbeitnehmer werden zu "Deppen" diffamiert und unter Druck gesetzt. Heutige Auszahlungen zeigen jedoch, dass Verträge verlustreich sein können - auch bei der Metallrente, wie Beschwerden zeigen. Erst am Ende zeigt sich auch dem Laien, wer wirklich der "Depp" ist.

Affenhände auf einer Laptoptastatur
Und Sie sind wirklich Experte?

Erfahren Sie hier, wie Sie durch die Dienstbarkeit einer Gewerkschaft für Finanzkonzerne um persönliche Ansprüche aus den Solidarsicherungen und um einen Teil des eigenen Verdienstes gebracht werden können. Geht die Metallrente schief, dann wird das auch Folgen für diese Gewerkschaft haben.

Eine Gewerkschaft tauscht Vertrauen gegen Finanzverträge

Trotz schwieriger Bedingungen und schlechter Renditen werden aus Angst vor Altersarmut viele Renten und Lebensversicherungen verkauft. Besonders gut scheint das Geschäft mit Direktversicherungen zu laufen. Eine Gewerkschaft, die IG-Metall ist daran durchaus beteiligt.

 

Diese Gewerkschaft gibt dafür ihr wertvollstes Vermögen – das Vertrauen in den eigenen Namen. Darf das Sie als Arbeitnehmer arglos und vertrauensselig machen? Nach den ersten Überprüfungen: auf keinen Fall!

  

Die Gewerkschaften schaffen es in diesem komplexen Thema schon aufgrund der fachlichen Unterlegenheit gegenüber Finanzinstitute offensichtlich nicht, eine solche Dienstleistung seriös und sicher einzukaufen. Es ist umgekehrt. Die Finanzkonzerne nutzen diese Abhängigkeit und nisten sich bezahlt als Massen-Absatzstellen innerhalb der Betriebe ein. Das Vertrauenssiegel der Gewerkschaft soll Arbeitnehmer unkritisch machen. Gewerkschaften sind schließlich Arbeitnehmervertreter. Aber tun Sie das? – Arbeitnehmer in dieser Sache vertreten?

Betriebsräte als billige Pausenvertreter für Versicherungen

Erfahrungen zeigen ein anderes Bild: Funktionäre und Arbeitnehmervertreter werden zu Versicherungswerbern mit schlechtester Ausbildung und trügerisch falschen Verkaufstexten. In den Versicherungskonzernen freut man sich verzückt: kostenfreie Drücker ohne Haftungsfolgen.

  

Gespräche mit Arbeitnehmern offenbaren immer wieder, mit welchem Druck Betriebsräte auf Betriebsversammlungen die Betriebsrente feilbieten. Das mit den plumpen Argumenten der Vorteile durch die Steuer- und Abgabenfreiheit. Geschönte Rechnungen mit Halbinformationen und Geschenken, die keine sind. Anspruchsverluste bei Rente, Lohnersatzleistungen, Arbeitslosegeld usw. sind in der Regel kein Gesprächsthema.

 

Nachgelagerte Beiträge und Steuern werden nebensächlich erwähnt oder pauschal heruntergespielt. Sicher, die Verkäufer der ganzen Branche machen das leider gesetzlich legitimiert auch, aber die sind auch keine Arbeitnehmervertreter.

Anstatt Solidarität gibt es Interessenkonflikte

Bis heute ist man unfähig, diesen unausweichlichen Interessenkonflikt wahrzunehmen. Warum soll es die Aufgabe einer Gewerkschaft sein, Finanzmarktprodukte anzubieten? Wurde die Privatisierung der fehlenden Rente nicht mit dem Reichtum des freien Marktes begründet? Einen Reichtum durch freien Wettbewerb?

  

Dieser Reichtum war für diese Gewerkschaft offensichtlich so furchterregend hoch, dass der Wettbewerb sofort wieder ausgeschaltet werden musste. Seither gibt es eine Metallrente, hinter der große Versicherungskonzerne stehen, darunter der größte Deutschlands: die Allianz. Ein nettes Oligopol nach dessen Pfeife die Gewerkschaft zukünftig tanzen muss.

 

Man nennt das Beratung, das klingt deutlich besser. Dabei ist es doch sehr praktisch, wenn sich der Top-Berater zeitgleich für Gewerkschaft, Finanzkonzern, Lobbyorganisation und natürlich auch die Politik persönlich zuständig zeigt. Denn wenn alle das gleiche plappern, dann glaubt man es auch.

 

Das mit dem Glauben ist so eine Sache. Man glaubte noch vor wenigen Jahrzehnten an das "erfolgreiche" Wirtschaften der Gewerkschaften für das Gemeinwohl. Erfolgreich war es in der Tat, nur am Ende nicht für das Gemeinwohl. Die Bosse der Unternehmen des Gewerkschaftsbundes kassierten ordentlich ab. Bei dem Immobilienunternehmen "Neue Heimat" wurden mit untreuen Geschäftsmodellen Mieter gewaltig abkassiert.  Das Unternehmen für Konsumwaren "co op  AG" wurde über intransparente komplizierte Gesellschaftsstrukturen und Verschiebungen von Aktien die privaten Hände der Bosse der Gewerkschaft gespielt. Die Versicherungsgesellschaft "Volksführsorge" wurde verkauft. Die "BfG Bank" ebenfalls. Die Gewerkschaften bezahlten dafür mit einem beachtlichen Mitgliederschwund.

 

Jetzt ist mit der Metallrente ein neuer Versuch für des Gemeinwohl am Start? Fragen Sie doch einfach mal als Gewerkschaftsmitglied nach einem leicht verständlichen Organigramm, wie die IG-Metall mit der Metallrente, mit der Allianz, mit den anderen Versicherungsunternehmen, mit der AbA als Lobbyorganisation und der Politik in Verbindung steht. 

 

Gibt es nicht? Ein kleiner Schelm, wer böses dabei denkt!

Die Abhängigkeitsfalle

Probleme der Versorgungseinrichtungen öffentlich im Sinne der zahlenden Arbeitnehmer erwähnen und kritisieren? – Bloß nicht, das wäre ein Marketing-Desaster der Gewerkschaft. Also muss der Gewerkschafter weiter fleißig den Verkauf der Finanzprodukte ankurbeln. – Aus Überzeugung, versteht sich! Für das Kassieren der Provisionen sind die Finanzvertreter zuständig. Das nennt man „Arbeitsteilung“ und die ist man in der Industrie gewöhnt. (- Oder bekommen Gewerkschafter doch Provisionen?)

  

Die Aufgaben sind jetzt verteilt: die Versicherungskonzerne kassieren leicht für ihre Dienstleistungen als Selbstläufer und wenn es schief geht, dann vernichtet es das Urvertrauen der Arbeitnehmer zur eigenen Gewerkschaft. Zumindest für die Finanzkonzerne ist es ein Jackpot. Es ist das Geschäft des Jahrhunderts. Für IG-Metall wird das möglicherweise zum Tanz auf dem Vulkan.

 

Das war wohl der Auslöser der zündenden Idee für die reine „Beitragszusage“ des Sozialpartnermodells des Betriebsrentenstärkungsgesetzes. Man garantiert nur, dass das Geld für eine Anlage ausgegeben wird. Was rauskommt ist egal! Komisch ist nur, dass bisher keiner das neue Sozialpartnermodell zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretung abschließen will. 

Glauben ist einfach – prüfen ist schwer

Man brüstet sich öffentlich, man hätte sehr gute Konditionen für die Metaller ausgehandelt. Seltsam, dass diese beispielsweise in den allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht beziffert werden. Sie müssten doch vereinbart festliegen. Sogar Verfahrensweisen wie Kostenverteilungen oder Überschusstöpfe sind offen. Man begnügt sich Behauptungen. Erst wenn die Policen unterschrieben sind, werden Zahlen pflichtgemäß geliefert.

 

Diese Zahlen können jedoch nur Finanzprofis mit zum Teil erheblichem Aufwand sinnvoll bewerten. Viele vermeintliche Maßstäbe, wie prozentuale Rabatte, eigenen sich kaum zur sinnvollen Bewertung der Angebote. Entscheidungen werden, wie so oft in dieser Branche, aufgrund von Pseudokausalitäten gefällt.

  

Die veröffentlichten Renditen der Metallrente suggerieren oft einen sofortigen ansehnlichen Gewinn. Die Wahrheit ist, dass das Kürzel BWR "Barwertrendite" bedeutet. Das heißt, diese Rendite bezieht sich nur auf den Rest, den die Finanzkonzerne nach Abzug der Kosten übrig lassen. Das ist nicht sehr viel. Es kann viele Jahre dauern, bis ein Vertrag ein Plus erzielt. Ohne staatliche Zuflüsse durch eingesparte Abgaben und Steuern wäre die Rendite trotz optimistischer Annahmen mager. Das haben eigene Prüfungen ergeben. Darüber hinaus gibt es eine statistisch bedingte Wahrscheinlichkeit, dass das eingebrachte Deckungskapital nur zum erheblich reduzierten Teil beim Rentner ankommt.

Die Rechnung kommt zum Schluss

Es droht  dieser Gewerkschaft ein ähnliches Desaster, so wie es die ehemals große Volkspartei SPD durch eine Sozialentfremdung kaum zu überleben vermag. Diese Partei ist gleichermaßen Täter wie Opfer durch den Verlust eines gesunden staatswirtschaftlichen Verstandes.

Nicht alle Reformen waren falsch, jedoch bekamen die Verlierer der Reformen zusätzlich eine demütigende "narzistische" Keule über gezogen und wurden dauerhaft überproportional benachteiligt.

 

Nehmen wir mal die festgestellte Verfassungswidrigkeit der Kürzungen des Existenzminimums nach versäumten Terminen. Ich will keinen Rechtsvortrag halten, sondern den gesunden Menschenverstand wecken. Selbstverständlich kann man verlangen, dass ein Mensch pünktlich zum Termin kommt. Doch was würden Sie sagen, wenn genau mit diesem Argument die flexible Arbeitszeit durch Ihren Arbeitgeber sofort abgeschafft würde.

 

Wenn Sie dann aufgrund eines verspäteten Zuges 13 Minuten zu spät an der Arbeit erscheinen, würden Sie dann sofort zum Chef zitiert. Dann folgende Ansage: "Man kann wohl verlangen, dass Sie pünktlich zur Arbeit kommen. Ihr Gehalt wird für die nächsten drei Monate gestrichen." Sie können sicher selbst am besten beurteilen, was das auf Ihrem Kontostand auslöst - und Sie nagen nicht unbedingt am Existenzminimum.

 

Inzwischen ist durch diese Reformen auch ein Teil der Staatsfinanzen - die Rentenversicherung durcheinander. Mit der Grundrente soll zum Beispiel das bezahlt werden, was die Wirtschaft im Vorfeld als Lohn hätte zahlen müssen. Friseure und Reinigungskräfte haben zum Beispiel keine globale Konkurrenz und sind in unserer Wirtschaft unverzichtbar. Die Modernisierung war in diesem Punkt unvollständig.

 

Heute steht diese SPD vor der eigenen Zerstörung durch ein kollektives Gedächtnis in der Bevölkerung. Die eigenen Rettungsversuche dieser Partei werden in der Wahrnehmung davon wie Blei überlagert. Es ist das Ergebnis für den verspielten Kredit, den Bürger für ungehaltene Versprechen gegeben haben. Das kann auch einer Gewerkschaft (wieder) passieren.

  

Was wird passieren, wenn Nullzinsen, unfähige Politik und eine manipulierte Gewerkschaft dazu führen, dass mühsam verdientes Geld in der Metallrente unwiederbringlich verheizt wird? Die ersten Beschwerden darüber sind bereits jetzt öffentlich wahrnehmbar. Ähnliches ist den Direktversicherten ergangen, als nach fallenden Überschüssen, die für sie überraschende Beiträge für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungen abgerechnet wurden. Das Entsetzen war groß. Die Ratlosigkeit innerhalb der Politik ebenfalls. Viele beklagten das Minussparen öffentlich und das nicht zimperlich.

 

Aus den Reserven des Gesundheitssystems presst man jetzt aufgrund der Lautstärke des Protestes einen Freibetrag für die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge im Versorgungsbezug. Was passiert jedoch, wenn die Reserven aufgebraucht sind?

 

Na klar, ein neues Gesetz, um wieder abzukassieren. Damit werden sich vermutlich wieder einmal die Nachfolgegenerationen rumschlagen. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen Markus Kurth hat es in seiner Rede am 12.12.2019 kurz und bündig auf den Punkt gebracht. Wer wird aber dann noch als Mitglied in der IG-Metall bleiben wollen?

 

Bleiben Sie kritisch und denken Sie selbst - es lohnt sich!