Metallrente: Gewerkschafter als bAV-Experten?

Wie Sie durch die Dienstbarkeit einer Gewerkschaft für Finanzkonzerne um persönliche Ansprüche aus den Solidarsicherungen und um eigenen Verdienst gebracht werden können. Geht die Metallrente schief, dann wird das auch Folgen für die Gewerkschaft haben.

Affenhände auf einer Laptoptastatur
Sie sind wirklich Experte?

Eine Gewerkschaft tauscht Vertrauen gegen Finanzverträge

Trotz schwieriger Bedingungen und schlechter Renditen werden aus Angst vor Altersarmut viele Renten und Lebensversicherungen verkauft. Besonders gut scheint das Geschäft mit Direktversicherungen zu laufen. Eine Gewerkschaft, die IG-Metall ist daran durchaus beteiligt.

 

Diese Gewerkschaft gibt dafür ihr wertvollstes Vermögen – das Vertrauen in den eigenen Namen. Sollte Sie das als Arbeitnehmer arglos und vertrauensselig machen? Nach den ersten Überprüfungen: auf keinen Fall!

  

Die Gewerkschaften schaffen es in diesem komplexen Thema schon aufgrund der fachlichen Unterlegenheit gegenüber Finanzinstitute offensichtlich nicht, eine solche Dienstleistung seriös und sicher einzukaufen. Es ist umgekehrt. Die Finanzkonzerne nutzen diese Abhängigkeit und nisten sich bezahlt als Massen-Absatzstellen innerhalb der Betriebe ein. Das Vertrauenssiegel der Gewerkschaft soll Arbeitnehmer unkritisch machen. Gewerkschaften sind schließlich Arbeitnehmervertreter. Aber tun Sie das? – Arbeitnehmer in dieser Sache vertreten?

Betriebsräte als billige Pausenvertreter für Versicherungen

Erfahrungen zeigen ein anderes Bild: Funktionäre und Arbeitnehmervertreter werden zu Versicherungswerbern mit schlechtester Ausbildung und trügerisch falschen Verkaufstexten. In den Versicherungskonzernen freut man sich verzückt: kostenfreie Drücker ohne Haftungsfolgen.

  

Gespräche mit Arbeitnehmern offenbaren immer wieder, mit welchem Druck Betriebsräte auf Betriebsversammlungen die Betriebsrente feilbieten. Das mit den plumpen Argumenten der Vorteile durch die Steuer- und Abgabenfreiheit. Geschönte Rechnungen mit Halbinformationen und Geschenken, die keine sind. Anspruchsverluste bei Rente, Lohnersatzleistungen, Arbeitslosegeld usw. sind in der Regel kein Gesprächsthema.

 

Nachgelagerte Beiträge und Steuern werden nebensächlich erwähnt oder pauschal heruntergespielt. Sicher, die Verkäufer der ganzen Branche machen das leider gesetzlich legitimiert auch, aber die sind auch keine Arbeitnehmervertreter.

Anstatt Solidarität gibt es Interessenkonflikte

Bis heute ist man unfähig, diesen unausweichlichen Interessenkonflikt wahrzunehmen. Warum soll es die Aufgabe einer Gewerkschaft sein, Finanzmarktprodukte anzubieten? Wurde die Privatisierung der fehlenden Rente nicht mit dem Reichtum des freien Marktes begründet? Einen Reichtum durch freien Wettbewerb?

  

Dieser Reichtum war für diese Gewerkschaft offensichtlich so furchterregend hoch, dass der Wettbewerb sofort wieder ausgeschaltet werden musste. Seither gibt es eine Metallrente, hinter der große Versicherungskonzerne stehen, darunter der größte Deutschlands: die Allianz. Ein nettes Oligopol nach dessen Pfeife die Gewerkschaft zukünftig tanzen muss.

 

Man nennt das Beratung, das klingt deutlich besser. Dabei ist es doch sehr praktisch, wenn sich der Top-Berater zeitgleich für Gewerkschaft, Finanzkonzern, Lobbyorganisation und natürlich auch die Politik persönlich zuständig zeigt. Denn wenn alle das gleiche plappern, dann glaubt man es auch.

Die Abhängigkeitsfalle

Probleme der Versorgungseinrichtungen öffentlich im Sinne der zahlenden Arbeitnehmer erwähnen und kritisieren? – Bloß nicht, das wäre ein Marketing-Desaster der Gewerkschaft. Also muss der Gewerkschafter weiter fleißig den Verkauf der Finanzprodukte ankurbeln. – Aus Überzeugung, versteht sich! Für das Kassieren der Provisionen sind die Finanzvertreter zuständig. Das nennt man „Arbeitsteilung“ und die ist man in der Industrie gewöhnt.

  

Die Aufgaben sind jetzt verteilt: die Versicherungskonzerne kassieren leicht für ihre Dienstleistungen als Selbstläufer und wenn es schief geht, dann vernichtet es das Urvertrauen der Arbeitnehmer zur eigenen Gewerkschaft. Zumindest für die Finanzkonzerne ist es ein Jackpot. Es ist das Geschäft des Jahrhunderts. Für IG-Metall wird das möglicherweise zum Tanz auf dem Vulkan.

 

Das war wohl der Auslöser der zündenden Idee für die reine „Beitragszusage“ im Sozialpartnermodell des Betriebsrentenstärkungsgesetzes. Man garantiert nur, dass das Geld für eine Anlage ausgegeben wird. Was rauskommt ist egal! Komisch ist nur, dass bisher keiner das neue „geniale“ Sozialpartnermodell zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretung abschließen will. Vielleicht kennen sich Arbeitgeber zu gut mit Zahlen und Investitionen aus. 

Glauben ist einfach – prüfen ist schwer

Man brüstet sich öffentlich, man hätte sehr gute Konditionen für die Metaller ausgehandelt. Seltsam, dass diese beispielsweise in den allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht beziffert werden. Sie müssten doch vereinbart festliegen. Sogar Verfahrensweisen wie Kostenverteilungen oder Überschusstöpfe sind offen. Man begnügt sich Behauptungen. Erst wenn die Policen unterschrieben sind, werden Zahlen pflichtgemäß geliefert. Diese Zahlen können jedoch nur Finanzprofis mit zum Teil erheblichem Aufwand sinnvoll bewerten.  

  

Die veröffentlichten Renditen der Metallrente suggerieren oft einen sofortigen ansehnlichen Gewinn. Die Wahrheit ist, dass das Kürzel BWR Barwertrendite bedeutet. Das heißt, diese Rendite bezieht sich nur auf den Rest, den die Finanzkonzerne nach Abzug der Kosten übrig lassen. Das ist nicht sehr viel. Es kann viele Jahre dauern, bis ein Vertrag ein Plus erzielt. Ohne staatliche Zuflüsse durch eingesparte Abgaben und Steuern wäre die Rendite trotz optimistischer Annahmen mager. Das haben eigene Prüfungen ergeben. Darüber hinaus gibt es eine statistisch bedingte Wahrscheinlichkeit, dass das eingebrachte Deckungskapital nur zum erheblich verringerten Teil beim Rentner ankommt.

Die Rechnung kommt zum Schluss

Es droht  dieser Gewerkschaft ein ähnliches Desaster, so wie es die ehemals große Volkspartei SPD durch eine in entscheidenden Elementen überflüssige wie fehlsteuernde Sozialentfremdung kaum zu überleben vermag. Sie ist gleichermaßen Täter wie Opfer des  kollektiv ideologischen Verlustes eines gesunden staatswirtschaftlichen Verstandes. Heute steht diese Partei vor der eigenen Zerstörung durch ein kollektives Gedächtnis in der Bevölkerung. Die sozialen Rettungsversuche dieser Partei werden in der Wahrnehmung davon wie Blei überlagert.

  

Was wird passieren, wenn Nullzinsen, unfähige Politik und eine manipulierte Gewerkschaft dazu führen, dass mühsam verdientes Geld in der Metallrente unwiederbringlich verheizt wurde? Ähnliches ist den Direktversicherten ergangen, als nach fallenden Überschüssen die für sie überraschende Beiträge für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungen abgerechnet wurden. Das Entsetzen war groß. Die Ratlosigkeit innerhalb der Politik ebenfalls. Viele beklagten das Minussparen öffentlich und das nicht zimperlich.

 

Inzwischen will man per Gesetz für einen Freibetrag sorgen. Natürlich aus den Reserven des Gesundheitssystems. Was passiert, wenn die Reserven aufgebraucht sind? Na klar, ein neues Gesetz, um wieder abzukassieren. Damit werden sich vermutlich wieder mal die Nachfolgegenerationen rumschlagen. Ob es dann noch die IG - Metall gibt?

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