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Das Prinzip der Entgeltumwandlung richtig verstehen!

Autor: Dirk Feldhinkel

Für eine sachlich treffende Bewertung muss die Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersvorsorge als Gesamtkonzept verstanden werden. Dadurch sind  typische Manipulationen in der Vertragswerbung leichter zu erkennen.

 

Die genaueste Rechnung nützt nichts, wenn sie fehlerhaft ist. Deshalb reicht es nicht, zahlreiche einzelne Vor- und Nachteile zu kennen, sondern das Konzept richtig zu erfassen. Dabei sind Sie oft schneller am Ziel, weil Sie nicht auf Täuschungen, sondern auf relevante Informationen achten. Machen Sie nicht die groben Fehler, die  Testmagazine häufig machen und somit Irreführungen unterstützen. In den folgenden drei Lektionen erfahren Sie, wie Sie grundlegend wissen müssen. Damit ist eine individuelle Bewertung einfacher.

Lektion #1: Die Wahrheit ohne „Halo-Effekt“!

Überlegen Sie ob eine Entgeltumwandlung sinnvoll ist? Haben Sie die zornigen Proteste über Direktversicherungen mitbekommen? Darüber, dass es ein krasses Minussparen wäre? Oder haben Sie ein erleuchtendes Beratungsgespräch mit einem Versicherungsvermittler im Betrieb gehabt?

„Die betriebliche Altersvorsorge ist das Beste was es gibt!“ prahlen die Organisationen hinter den Anbietern der Entgeltumwandlung. Wie passen diese Informationen zusammen?

 

Ein Berater für Entgeltumwandlungen im Betrieb bekommt für den Abschluss eine Provision. Wie fair und vollständig ist eine solche Beratung? In Beispielrechnungen bekommen Sie immerhin eine „Förderung“ in Höhe von fast 65 Prozent vorgerechnet. Kann dabei ein Minussparen herauskommen?

 

Es kann!

 

Es besteht eine große Gefahr, grobe Fehler zu begehen, wenn Sie ohne Vorkenntnisse mit spitzer Rechnung Vor- und Nachteile abwägen wollen. Hierbei werden Zusammenhänge, wie die nachgelagerten Steuer- und Abgabenbelastungen getrennt als Vor- und Nachteile gesehen, welche wiederum leicht zu fehlerhaften Bewertungen führen. Hierbei agieren die Versicherungsunternehmen und Vermittler sehr trickreich. Der Fokus liegt in der Regel zu sehr auf der sogenannten Förderung und verblendet den wichtigeren Blick auf die Anwartschaft bzw. die Betriebsrente. Genau hier kann das angesparte Vermögen für Sie völlig legal ausgeplündert werden – und das wird definitiv ausgenutzt. Deshalb ist die Entgeltumwandlung für betriebliche Altersvorsoge besonders bei Finanz- und Versicherungskonzernen beliebt.

 

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Staatliche Vergünstigungen und Gewerkschafts-Namen 

garantieren niemals einen Erfolg! 

Die Erfahrung ist oft gegenteilig!

 

Sie sollten sich dabei auf keinen Fall auf Qualität verlassen, nur weil ein Produkt zur Entgeltumwandlung von einer Gewerkschaft angeboten wird. Dahinter stehen in der Regel große Finanzkonzerne mit klaren Interessen am Gewinn. Innerhalb der Gewerkschaften fehlt offensichtlich hinreichend qualifiziertes Wissen, um eine wirklich gute Gestaltung für die Arbeitnehmer vorzunehmen. Die Metallrente ist ein trauriges Beispiel dafür. Das naive Vertrauen in Gewerkschaften lädt die Vertreter der Finanz- und Versicherungskonzerne zu respektlos irreführenden Werbeaussagen ein. Die Gewerkschaft IG-Metall schaut dabei ahnungslos zu und macht trotz aller Kritik unbeeindruckt mit.

 

Ein missbrauchtes Argument ist zudem, dass die Entgeltumwandlung als Produkt grundsätzlich gut sei, weil der Gesetzgeber diese fördere. Der Gesetzgeber wird wohl kaum eine Gewähr dafür geben. Sie sind für Ihre Entscheidung selbst verantwortlich. Diese erfolgreiche Strategie, mit positiven Zuschreibungen wie dem Label einer Gewerkschaft oder mit Label  der staatlichen Förderung zu werben, wird als „Halo-Effekt“ bezeichnet. Es wird sprichwörtlich ein Heiligenschein erzeugt.

Lektion #2: Der Staat gibt es und Staat nimmt es wieder!

Es ist der Grund, warum ich nicht von einer Förderung spreche, sondern von einem geänderten Verfahren für Steuern- und Sozialabgaben. Hierbei hat die damalige Regierung, welche die Entgeltumwandlung (§ 3 Nr. 63 EStG) nach heutigen Prinzip im Jahr 2002 einführte, grundlegend auf ein nachgelagertes Steuer- und Abgabenverfahren umgestellt. Dieses Verfahren sollte Vorteile durch Gewinne bringen, deshalb lag der Sinn einer Förderung nicht in dem vermeintlichen Erlass der Steuern und Sozialabgaben, sondern in dem vermeintlich vorteilhaften Zeitpunkt der späteren Erhebung.

 

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Das nachgelagerte Steuer- und Abgabenverfahren

kann zu zusätzlichen Verlusten führen! 

 

 

In der Politik ist man von reichhaltigen Gewinnen ausgegangen, wodurch vermeintlich alle profitieren sollten. Ausdiesem Grunde waren die Abgaben so ausgelegt, dass sie in etwa das gleiche Niveau hatten. Bei der nachgelagerten Abgabenbelastung entfielen die bisherigen staatlichen Versicherungen für die Rente und Arbeitslosigkeit. Dafür hatte man den vollen Beitrag für die gesetzliche Krankenkasse und Pflegeversicherung belassen. Diesen vollen Beitrag bezeichnet man oft als Doppelbeitrag, weil er doppelt so hoch ist, wie der übliche Arbeitnehmeranteil in der Erwerbsphase.

 

Bei genauer Betrachtung lag das vorgelagerte und nachgelagerte Niveau der Sozialabgaben gering unterschiedlich bei etwa 20 Prozent. Bei der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den halben Beitragssatz, so wie der ehemalige Arbeitgeber. Bei der Entgeltumwandlung hielt man das hingegen für verzichtbar. Deshalb konnte man politisch in diesem Vorgang alleinig keine Förderung angenehmen. Die Versicherungsbranche verkaufte es jedoch völlig ungehindert als solche, indem sie die nachgelagerten Belastungen verschwiegen oder nebensächlich herunterspielten. Bis heute werden trickreiche Irreführungen eingesetzt, die nachgelagerte Belastung als gering darzustellen. Sogar in Fachmagazinen werden in diesem Punkt Fehler gemacht.

 

Bei den alten Verträgen mit Pauschalbesteuerung gem. § 40b EStG handelt es sich im Grunde um eine Auslaufphase des alten Systems. Wenn die Einzahlungen nicht aus jährlich einmaligen Sonderzahlungen stammten, waren die üblichen Sozialabgaben fällig. Das führte wiederum dazu, dass hier sowohl vorgelagert als auch nachgalagert Abgaben fällig wurden.  Der sogenannte Doppelbeitrag bekam hierbei in zynischer Weise noch einmal eine doppelte Bedeutung. Diese besondere Belastung wurde offensichtlich in mit dem erheblichen Privileg der völligen Steuerfreiheit dieser alten Verträge abgewogen.

 

Davon will die heutige Politik nichts mehr wissen. Bei den daraus entstandenen Protesten gaben sich die Politiker*innen und Sozialwissenschaftler empört, als sei dieses systemisch ausgedachte Konzept mit einem Fehler versehen. Das belegt wiederum, dass diese Politiker und Sozialwissenschaftler häufig mehr darauf aus sind, sich öffentlich anzubiedern, als die Sache wirklich zu verstehen. Dadurch wurde wiederum ein Freibetrag (seit 2020 inzwischen ca. 160 Euro) für die Beiträge gestattet, der jedoch aus den Reserven der gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird. Hierdurch wird das Sozialsystem wieder vorsätzlich belastet. Für eine „echte Förderung“ kommt das Geld aus der falschen Quelle.

 

Anders als bei den Sozialabgaben ist wird die Einkommenssteuer paritätisch erhoben. Das bedeutet, was zuvor nicht versteuert wurde, wird danach voll  besteuert. Deshalb werden die Entgeltumwandlungen, die gem. § 3 Nr. 63 EStG bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung entlastet wurden,  als Versorgungsbezug in der Rentenzeit gem. § 22 Nr.5 voll besteuert. 

 

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Die Einkommensteuerbelastung ist in der Regel

kurz vor dem Rentenbeginn am höchsten!

 

Hier werden die Angebotsrechnungen regelmäßig manipuliert. Die nachgelagerte Besteuerung wird in aller Regel unzulässig heruntergespielt. Man behauptet, die allgemeine Steuerbelastung sei niedriger als im Erwerbsleben und deshalb nehme man einen niedrigen Durchschnittssteuersatz. Dieses Verfahren ist grundlegend irreführend. In der Regel steigert sich das Einkommen im Erwerbsleben, sodass besonders jüngere Menschen nicht dieser pauschalen Aussage folgen dürfen. 

 

Einkommen steigern sich im Erwerbsleben durch:

 

  • Tariflohnsteigerungen
  • Gehaltsgitter nach Berufserfahrungen
  • Karrierefortschritten und Gehaltsverhandlungen

 

Kurz vor dem Ende der Erwerbsphase sind das Einkommens- und damit auch das Steuerniveau am höchsten. Hinzu kommt, dass die Übergangsphase der steigenden Besteuerung im Jahr 2040 abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass danach die Rente nach dem gegebenenfalls gültigen Freibetrag voll besteuert wird. Hierbei ist anzumerken, dass die Beiträge zur gesetzlichen Rentenvorsorge dementsprechend einem zunehmenden Freibetrag unterliegen. Auch wenn das Rentenniveau von der Regierung bereits abgesenkt wurde und damit auch das Steuerniveau damit sinken würde, sollten doch gerade diese gesetzlich „geförderten“ Zusatzversorgungen das Niveau wieder auffüllen. Es sei denn, der Gesetzgeber glaubt selbst nicht an sein Konzept.

 

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Nachgelagerte Netto-Berechnungen mit Durchschnittssteuersätzen

verzerren das Ergebnis dramatisch!

 

Der entscheidende Fehler ist tatsächlich gravierender. Es ist die verbreitete Berechnung mit einem Durchschnittssteuersatz. Wäre das korrekt, dann müsste die durch die Entgeltumwandlung geänderte Lohnabrechnung ebenfalls mit dem Durchschnittssteuersatz berechnet werden. Wenn Sie das überprüfen, stellen Sie leicht fest, dass die gerechnete steuerliche Wirkung sehr viel höher ist als die des Durchschnittssteuersatzes ist. Warum ist das so?

Bei dieser Berechnung wurde die unmittelbare Auswirkung durch die einkommenssenkende Entgeltumwandlung dargestellt. Durch die fallende Progression ist die Auswirkung dramatisch höher, als der Durchschnittssatz.

 

Dieses Verfahren muss jedoch auch für den Rentenbezug gelten. Deshalb muss die durch die Rentenauszahlung bedingte Steuererhöhung der Rente als Belastung zugerechnet werden. Die zu rechnenden Steuerbelastungen sind dadurch empfindlich höher als die üblichen Berechnungen. Unter diesen Bedingungen sieht die Wirtschaftlichkeit völlig anders aus. Dieser Fehler wird regelmäßig in Testmagazinen bei Wirtschaftlichkeitstests begangen. Lassen Sie im Zweifel die konkrete Veränderung der Einkommenssteuer durch eine Betriebsrente von einem Steuerberater prüfen.

Lektion #3: Die Anwartschaft bestimmt das Ergebnis!

Die Grundregeln der nachgelagerten Steuer- und Abgabenerhebung:

  • Führt die Anwartschaft nach Kosten zu einem deutlichen effektiven Gewinn, dann ist die nachgelagerte Steuer- und Abgabenerhebung ein Gewinnhebel.
  • Führt die Anwartschaft nach Kosten zu einem deutlichen effektiven Verlust, dann ist die nachgelagerte Steuer- und Abgabenerhebung ein Verlusthebel.

Hierbei ist zu beachten, dass die Versicherer die Renditeannahmen oft zu hoch ansetzen. Das bedeutet wiederrum, dass der Anschein erweckt wird, es läge ein Gewinnhebel vor. Diese Berechnungen sind jedoch kaum verbindlich. Hier ist es wichtig, sich mit dem Umgang mit versicherungsförmigen Rentenprodukten auszukennen und diese auswerten zu können.

 

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Bei einer Garantiesumme unter der Beitragssumme ist bereits von einem

zusätzlichen Verlusthebel auszugehen!

 

Nach der Erkenntnis, dass die nachgelagerten Steuer- und Abgabenverfahren keine eindeutige Förderung darstellt, kommt es im Endeffekt auf den Erfolg der Anlage an. Unter diesem Aspekt muss die Anwartschaft sogar als Anlage gesehen werden, denn nur durch einen echten effektiven Überschuss würde sich das nachgelagerte Verfahren positiv auswirken.

 

Umgekehrt kann durch die volle Besteuerung bzw. Abgabenlast eine Verlustverstärkung eintreten. In der Finanzwirtschaft würde man von einem Hebeleffekt sprechen. Hier beginnt deutlich zu werden, warum  aufwändige hin und her Berechnungen nicht viel Sinn machen, wenn solche Aspekte außer Acht sind.

 

Wenn zum Beispiel bei einer Entgeltumwandlung nur noch eine Garantieleistung unter der Beitragsleistung gewährt, muss man unter dieser Annahme im Grunde bereits von einem Verlusthebel ausgehen. Eine solche Gestaltung macht keinen Sinn. Es ist eine besondere Vorsicht geboten, wenn Versicherungsunternehmen den Glauben verbreiten, es wären immer noch hohe Zinsgewinne zu erzielen. Hier gibt es in Veröffentlichungen extreme Irreführungen, die jedoch völlig arglos angenommen werden.

 

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Gesenkte oder fehlende Garantien führen nicht

automatisch zu höhere Renditen!

 

Auch ist die Annahme, mit weniger Garantien wären automatisch die Renditen höher, mit großer Vorsicht zu genießen. Es ist naheliegend, dass die Versicherungsunternehmen um übliche Risikoanlageformen eine Verwaltung herum bauen, um selbst mehr daran zu verdienen, als der Kunde. Ein Phänomen, das bereits bei privaten Fondspolicen hinreichend bekannt ist.

 

Oftmals wurden Renditen sogar kaputt gemanagt. Das Hauptproblem sind jedoch besonders hier die Kosten. Diese können leicht versteckt  und ungünstig gestaltet werden. Die Angebotsrechnungen werden oft mit absurden Renditen hochgerechnet. Dahinter lassen für sich leicht Kosten verbergen. Es sei denn,  man ist in der Lage, effektive Kosten aus den Daten zu ermitteln.

 

Die Metallrente ist wieder einmal ein trauriges Beispiel dafür: ein Fondstarif der Pensionskasse aus dem Jahr 2005 ergab nach unzureichend nachvollziehbaren Angaben eine Kosteneinschätzung von mindestens 2,5 Prozent, wenn die hohen Renditeannahmen von weit über 8 Prozent (plus Überschuss) eintreten sollten. Diese Kosten sind in der Auswirkung gewaltig. Wären diese Renditen effektive Werte, wären die Deckungssummen überschlägig 50 bis 60 Prozent höher als die dargestellten Deckungssummen. Allerdings sind solche übertriebenen Prognosen grundsätzlich als unseriös einzuschätzen.

 

Damit sind die größten Probleme jedoch noch nicht vollständig erfasst. Der leichteste Weg für einen Versicherungskonzern Gewinne zu machen, ist die Rentenhöhe klein zu halten. Auch hier ist einiges zu beachten. Das Deckungskapital in das Verhältnis mit der (garantierten) Rente zu setzen ist sicher ein erster Schritt. Mit effektiven Ermittlungen aus den Daten können bessere Einschätzungen und direkte Vergleiche angelegt werden. Jedoch sind auch hier die wahren Auswirkungen der Vor- und Nachteile zu beachten. Hier müssen stimmige Berechnungen durchgeführt werden.

 

Sowohl Brutto-Brutto-Vergleiche als auch Netto-Netto-Vergleiche sind notwendig, um die Probleme der Entgeltumwandlung sicher zu erfassen. Wundern Sie sich jedoch nicht, wenn Sie nach dem Ergebnis weit über hundert Jahre alt werden müssen, um die umgewandelten Beiträge zurück zu bekommen. Hierbei wird kein Rentenproblem politisch gelöst, sondern einfach nur Geld der Bürger verheizt.

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